Gemeindepsychiatrischer Verbund (GPV) – Sachstand 2019
Der GPV Stuttgart ist der Zusammenschluss aller an der sozialpsychiatrischen Versorgung Beteiligten in der Landeshauptstadt Stuttgart. Unter partizipativen Gesichtspunkten sind Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und Bürgerhelfer langjährige Partner der Professionellen sowie der Verwaltung und der Kostenträger. Ziel ist die Bereitstellung eines umfassenden und koordinierten Leistungsangebotes für chronisch psychisch kranke Menschen in der Landeshauptstadt Stuttgart. Die personenzentrierten Hilfen erfolgen wohn-ortnah und durch multiprofessionelle Zusammenarbeit gemäß § 7 PsychKHG (Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz).
Das Leistungsangebot wird in Stuttgart in acht Gemeindepsychiatrischen Zentren (GPZ) umgesetzt. Jedes GPZ arbeitet regional gegliedert mit Versorgungsauftrag für den jeweiligen Sozialraum und ist durch sektorale Zuordnung mit den psychiatrischen Kliniken in Stuttgart verbunden.
Die zentralen Funktionsbereiche der Versorgung im ambulanten Bereich werden jährlich evaluiert und ausgewertet. Die Analyse und Auswertung der Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Erhebung sind Grundlage der Weiterentwicklung der Angebote.
Im GPV Stuttgart sind folgende Funktionsbereiche in acht Gemeindepsychiatrischen Zentren (GPZ) vorhanden: · Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) · Gerontopsychiatrische Dienste (GerBera) · Tagesstätten für chronisch psychisch Kranke · Arbeitsprojekte / Beschäftigungsmöglichkeiten (SGB XII/SGB IX und SGB II) · Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA, SGB V) · Häusliche Psychiatrische Pflege (SGB V) · Soziotherapie (SGB V) · Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern · Ambulant Betreutes Wohnen und Stationär Betreutes Wohnen (SGB XII/SGB IX). Die SpDi leisten gemäß § 6 Abs. 1 PsychKHG die „sozialpsychiatrische Vorsorge, Nachsorge und psychosoziale Krisenintervention“ sowie „die Vermittlung sozialer Hilfen für insbesondere chronisch psychisch kranke Menschen.“ Dabei sind sie auch Ansprechpartner für Angehörige, Nachbarn und Kooperationspartner in ihrem Einzugsgebiet.
In den GPZ werden die Angebote einer ambulanten psychiatrischen Versorgung „unter einem Dach“ gebündelt, um die Ressourcen effektiv einzusetzen und personenbezogen auszugestalten. Die o. g. Angebote sind räumlich zusammengefasst und erleichtern so wohnortnah den Zugang für Betroffene und ihre Angehörigen. Die acht SpDi bilden das Kernstück der acht GPZ in der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie sind Bestandteil der psychosozialen Grundversorgung und übernehmen die Versorgungsverpflichtung für das gesamte Stadtgebiet. Das bedeutet, dass sie allen chronisch psychisch erkrankten Menschen in ihrem Einzugsgebiet sozialpsychiatrische Hilfen erschließen bzw. anbieten und Meldungen, auch von Dritten, abklären. Sie sind auch Ansprechpartner für Angehörige, Nachbarn etc.. SpDi - Auswertung der Daten 2019 und Schlussfolgerungen
Im Jahr 2019 betrug die Gesamtzahl der Anfragen 3.764 (2018: 3.625). Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahlen der Gesamtbetreuungen um 3,7 % angestiegen.
Die Zahl der langfristigen Kontakte, d. h. mehr als 5 Kontakte ist annähernd gleichgeblieben (im Jahr 2019: 1.956 Fälle und im Jahr 2018: 1.961 Fälle). Pro Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter bedeutet dies im Durchschnitt 138 Gesamtbetreuungen, davon im Durchschnitt 72 langfristig betreute Menschen. Mit diesen Fallzahlen sind die Dienste ausgelastet und in der Lage, die Qualität und Quantität der Anfragen und Betreuungen zu gewährleisten.
Das liegt nicht zuletzt an der bestehenden guten Kooperation und der Vernetzung der verschiedenen Funktionsbereiche in einem Gemeindepsychiatrischen Zentrum, wie z. B. Tagesstätte, Psychiatrische Institutsambulanz, Betreutes Wohnen, Psychiatrische Pflege, Zuverdienstprojekte sowie auch an der guten Zusammenarbeit mit den psychiatrischen Kliniken.
Wie im Vorjahr sind in den Diensten leichte Schwankungen hinsichtlich der soziodemographischen Daten der Klientinnen und Klienten zu beobachten. Insgesamt konnten aber hinsichtlich der Faktoren Diagnosen, Familienstand, Alter und Geschlecht keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Der Anteil langfristig betreuter psychisch kranker Migrantinnen und Migranten ist leicht gesunken von 36 % auf 35 %. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Stuttgarter Gesamtbevölkerung liegt bei 45 % (Stand: April 2020).
Insgesamt sind die Sozialpsychiatrischen Dienste in der Landeshauptstadt Stuttgart gut aufgestellt und werden ihrem sozialraumbezogenen aber auch sektorübergreifenden Auftrag gerecht.
Folgende Themen haben in Zukunft besondere Bedeutung:
· Die Schnittstellenarbeit, vor allem in den Themen Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Jugendhilfe und Behindertenhilfe ist aufgrund der immer komplexer werdenden Problemlagen des Klientels dringend notwendig. Hier sind bereits Projekte und Kooperationen umgesetzt worden. Weitere Projekte, insbesondere für Alleinstehende Menschen mit Unterstützungsbedarf in ordnungsrechtlicher Unterbringung werden aktuell bearbeitet (vgl. GRDrs 253/2019 „Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Situation von Menschen in ordnungsrechtlicher Unterbringung in Sozialunterkünften“).
· Welche Veränderungen durch die stationsäquivalente Behandlung (StaeB) und durch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) auf die Sozialpsychiatrischen Dienste zukommen, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
· Aktuell befindet sich die neue Verwaltungsvorschrift (VwV) für die SpDi in Baden-Württemberg auf Landesebene in der Abstimmung. Sie wird zum 01.01.2021 in Kraft treten.
Beteiligte Stellen Das Referat WFB hat die Vorlage mitgezeichnet mit der Anmerkung: "Im Rahmen der Aufgabenkritik 2021ff ist es aber relevant, die am Ende der Vorlage benannten Punkte frühzeitig auf eventuelle finanzielle Auswirkungen zu untersuchen". Vorliegende Anträge/Anfragen --- --- Dr. Alexandra Sußmann Bürgermeisterin 1. Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) in Stuttgart 2019 Fakten, Zahlen und soziodemografische Merkmale der langfristig betreuten psychisch kranken Menschen in den acht SpDi Sozialpsychiatrische Dienste (SpDi) in Stuttgart 2019 Fakten, Zahlen und soziodemografische Merkmale der langfristig betreuten psychisch kranken Menschen in den acht SpDi Betreuungen Im Jahr 2019 gab es keine signifikanten Unterschiede in der Inanspruchnahme im Vergleich zu den Vorjahren. Die Gesamtzahl an Betreuungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 % angestiegen, während die Zahl der langfristig betreuten Menschen nahezu gleichgeblieben ist (1.956 in 2019 gegenüber 1.961 in 2018, davon in 2019 1.088 Frauen (56 %) und 868 Männer (44%). In der Dokumentation der SpDi werden die Zahlen der Anfragen insgesamt sowie die soziodemografischen Daten der langfristig betreuten psychisch kranken Menschen erhoben.
· Gesamtzahl der Anfragen (indirekte, kurz- und langfristige Kontakte): 2019: 3.764
· Aus den psychiatrischen Kliniken einschließlich PIA wurden insgesamt 17 % der Personen vermittelt.
· Immerhin wandten sich 25 % (2018: 19 %) selbst, d. h. aus Eigeninitiative an die SpDi.
· Von den Angehörigen und Nachbarn wurden 12 % vermittelt.
· Über die niedergelassenen Nervenärzte fanden knapp 5 % den Weg zu den SpDi.
· Über die Wohnungslosenhilfe wurden 3 % der neuen langfristigen Kontakte vermittelt.
· Über das Sozialamt wurden 2,5 % und 2 % über das Amt für öffentliche Ordnung vermittelt.
· Andere sozialpsychiatrische Einrichtungen vermittelten 5 % der Neuzugänge. Auch hier liegen nur leicht veränderte Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren vor, die keine signifikanten Verschiebungen bedeuten. Psychisch erkrankte Menschen mit Migrationshintergrund und geflüchtete Menschen · Der Anteil langfristig betreuter psychisch erkrankter Migrantinnen und Migranten liegt bei 35 % (677 Personen), im vergangenen Jahr bei 36 %. Der Anteil an Migrantinnen und Migranten an der Gesamtbevölkerung in Stuttgart liegt bei knapp 45 % (Stand: April 2020). · Anfragen von geflüchteten Menschen aus Flüchtlingsunterkünften der Stadt Stuttgart an die Gemeindepsychiatrischen Zentren
Quelle: "Dokumentation der Sozialpsychiatrischen Dienste in Stuttgart (SpDi) 2019: Fakten, Zahlen und soziodemografische Merkmale der langfristig betreuten psychisch kranken Menschen in den 8 SpDi - Jahresbericht" (Reiner Neuschl, Klinikum Stuttgart, ZsG, Dr. Klaus Obert, Caritasverband für Stuttgart e. V., Iris Maier-Strecker, Evangelische Gesellschaft Stuttgart e. V.)
zum Seitenanfang