Landeshauptstadt Stuttgart
Referat Jugend und Bildung
Gz: JB
GRDrs 399/2021
Stuttgart,
06/17/2021


Modellprojekt Neuzugewanderte in Ausbildung - Ergebnisse der Zwischenevaluation



Mitteilungsvorlage


Vorlage anzurSitzungsartSitzungstermin
Schulbeirat
Jugendhilfeausschuss
Internationaler Ausschuss
Kenntnisnahme
Kenntnisnahme
Kenntnisnahme
öffentlich
öffentlich
öffentlich
13.07.2021
19.07.2021
21.07.2021

Bericht:


Der Gemeinderat hat in den Haushaltsberatungen 2020/2021 die Fortführung und den moderaten Ausbau des Modellprojekts Neuzugewanderte in Ausbildung beschlossen. Im Schuljahr 2020/21 befinden sich an den beruflichen Schulen in Stuttgart ca. 1.200 Neuzugewanderte (häufig mit Fluchterfahrung) in Ausbildung. Aufgrund der gravierenden Deutschsprachdefizite, insbesondere in der Schrift- und Fachsprache sowie fehlende andere schulische Kompetenzen, sind die Ausbildungsverhältnisse stark abbruchgefährdet. Auf Grundlage dieses Bedarfs wurde das Modellprojekt entwickelt. Das Projekt wird seit dem Schuljahr 2019/2020 umgesetzt und ist bis zum 31.07.2022 befristet.

Die „Stuttgarter Armutskonferenz 2019 – Vernetzt gegen Armut“ wurde in enger Kooperation mit der Liga der Wohlfahrtspflege Stuttgart und einer intensiven Beteiligung von Stuttgarter*innen, die von Armut betroffen oder bedroht sind, durchgeführt. Während der Stuttgarter Armutskonferenz 2019 wurden in den vier Handlungsfeldern Wohnraumversorgung, Arbeit und Beschäftigung, Bildungschancen sowie soziale und kulturelle Teilhabe Handlungsempfehlungen erarbeitet (vgl. GRDrs. 606/2019 Ergebnisse der „Stuttgarter Armutskonferenz 2019 – Vernetzt gegen Armut“). Auch im Doppelhaushalt 2022/2023 werden Vorhaben eingebracht, die aufbauend auf die Armutskonferenz die Lebenssituation von Menschen, die von Armut und deren Folgen betroffen sind, verbessern. Für das Handlungsfeld Bildungschancen wurde der Fokus insbesondere auf die Gruppe der Neuzugewanderten in Ausbildungsverhältnissen gelegt. Für diese Zielgruppe wurde das Modellprojekt Neuzugewanderte in Ausbildung konzipiert.

Das Konzept für das Modellprojekt fokussiert drei unterschiedliche Schritte. Im ersten Schritt steht die Verbesserung der Situation an den beruflichen Schulen im Mittelpunkt, dies bildet momentan den Schwerpunkt in der Umsetzung.
Danach sollen in einem zweiten und dritten Schritt die Ausbildungssituation der Neuzugewanderten insgesamt sowie der Weg in den Beruf in den Blick genommen werden.

1. Modellprojekt Neuzugewanderte in Ausbildung
Im Modellprojekt sind Ausbildungsmanager*innen als Ansprechperson für die neuzugewanderten Auszubildenden, Schule und Betriebe an den Berufsschulen sowie eine Projektkoordination zur Gesamtsteuerung tätig. Ziel des Projektes ist es, neuzugewanderte Auszubildende durch die Implementierung von Azubi-Sprachkursen, der Vermittlung von bedarfsgerechten Angeboten und einzelfallbezogener Hilfe zu unterstützen. Gleichfalls sollen auch die Schulen und Betriebe im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen Unterstützung erhalten, um die Chancen auf einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu erhöhen.
Das Modellprojekt wird momentan an acht Stuttgarter Berufsschulen umgesetzt.
Die Auswahl der Modellschulen erfolgte in enger Abstimmung zwischen dem Schulverwaltungsamt, dem Geschäftsführenden Schulleiter der gewerblichen und hauswirtschaftlichen beruflichen Schulen und der Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft. In der Auswahl der Berufsschulen wurde der Bedarf anhand der Anzahl von neuzugewanderten Auszubildenden mit sprachlichem Unterstützungsbedarf, die räumliche Situation am Schulstandort sowie die Handlungsbereitschaft der Akteure berücksichtigt.

Das Modellprojekt findet bundesweit Beachtung, da viele Stadt- und Landkreise vor vergleichbaren Herausforderungen stehen. In der lokalen Presse wurde das Projekt wiederholt vorgestellt und auch die Akteure aus anderen Stadt- und Landkreisen informieren sich über das Stuttgarter Modellprojekt. Zudem wurde auch in der Ausgabe der „ZEIT“ vom 20.08.2020 das Projekt als wertvoller Beitrag zur Integration von Neuzugewanderten beschrieben. Darüber hinaus haben sich das das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das Bundeswirtschaftsministerium, sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Widmann-Mauz, über das Projekt informiert.

Ergebnisse der Zwischenevaluation
Für den Bericht wurde eine Zwischenevaluation (siehe Anlage 1) unter Federführung der Projektkoordination erstellt. Für diesen Bericht wurden verschiedene Projektbeteiligte und die Zielgruppe selbst zum bisherigen Projektverlauf und den ersten Wirkungen befragt sowie weitere Quellen ausgewertet.
Diese sind:
Die Sinnhaftigkeit und Bedeutung des Modellprojekts wird sowohl durch den Projektbericht als auch durch die teilnehmenden Kooperationspartner bestätigt.
Die acht Schulleitungen bewerten das Projekt als einen Erfolg und geben an, dass es für die jeweilige Schule ein sinnvolles und notwendiges Angebot ist.
Die Akteure der AG Neuzugewanderten in Ausbildung (Geschäftsführende Schulleitung berufliche Schulen, Schulverwaltungsamt, Abteilung Integrationspolitik, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Jugendamt, Kammern, Regierungspräsidium) bestätigen, dass sich das Projekt gut in die vorhandenen Strukturen integriert hat und einen vorhandenen Bedarf deckt.

Durch die Analyse lassen sich die Wirksamkeit und erste Erfolge des Modellprojekts sowie Verbesserungsbedarfe anhand folgender zentraler Ergebnisse beschreiben (siehe Anlage 1, S. 4-9).

A. Ergebnisse zur Bildungssituation der Neuzugewanderten in Ausbildung
B. Ausbildungsmanagement
C. Sprachkurse D. Gesamtprojekt

Gelingensfaktoren
Stolpersteine
Zusammengefasst wirkte sich die Implementierung des Modellprojekts positiv auf folgende Bereiche aus:
Institutioneller Kontext: Individueller Kontext: Struktureller Kontext:
Schlussfolgernd aus den Ergebnissen ist festzustellen, dass sich durch das Modellprojekt die Integration der Neuzugewanderten in der Berufsschule, im Betrieb sowie der Gesellschaft verbessert. Aufgrund der Evaluationsergebnisse wird in der GRDrs 312/2021 vorgeschlagen, das erfolgreiche Modellprojekt moderat auszuweiten und in eine Regelförderung zu überführen.

Im Folgenden werden die angrenzende Arbeitsbereiche zur Verbesserung der Situation an den beruflichen Schulen beschrieben.
Ein bewährtes Angebot sind die Ferienlerncamps (Punkt 2). Zudem bestehen Vorüberlegungen eine Erhebung über die berufsvorbereitenden Bildungsgänge durchzuführen (Punkt 3).

2. Ferienlerncamp für neuzugewanderte VAB Schüler*innen
Um vorbereitend auf dem Weg zur Ausbildung das Vorqualifizierungsjahr Arbeit Beruf (VAB) erfolgreich abschließen zu können, bedarf es für den Großteil der neuzugewanderten Schüler*innen innerhalb der kurzen Zeitspanne, die ihnen bleibt, zahlreicher Bemühungen. Um diesen Lernbedarfen sowie dem Bedürfnis nach Erholungszeit und Entspannung gerecht zu werden, wurde das Ferienlerncamp für Schüler*innen im VAB konzipiert (vgl. Anlage 2).

Während der Schulferien finden bei vielen neuzugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen wenig Aktivitäten statt und sprachliche Anregungen sind so kaum gegeben. Da viele der Schüler*innen im VAB große Lücken in den Kernfächern sowie in weiteren Lerninhalten aufweisen, können die Ferienzeiten zur Lernunterstützung sinnvoll genutzt werden. Dass die Bereitschaft seitens der Jugendlichen und jungen Erwachsenen groß ist, zusätzliche Angebote in den Ferien in Anspruch zu nehmen, zeigen die bisherigen Erfahrungen des Ferienlerncamps.

Dabei basiert das Ferienlerncamp insbesondere auf folgenden Kernelemente und Erfolgsfaktoren:
Das Angebot ist über den Doppelhaushalt 2020/2021 befristet finanziert. Aufgrund der durchweg positiven Erfahrungen und vor dem Hintergrund der beschriebenen Ausgangssituation wird in der GRDrs 312/2021 eine Weiterführung des erfolgreichen Projekts von der Fachverwaltung vorgeschlagen.


3. Erhebung in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen
In Federführung der Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft und über die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen dem geschäftsführenden Schulleiter der Beruflichen Schulen, dem Regierungspräsidium, dem Schulverwaltungsamt, der Bundesagentur für Arbeit, der Jugendhilfeplanung und dem Stuttgarter Arbeitsbündnis Jugend Beruf wird zum Schuljahresende eine Erhebung in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen an den Beruflichen Schulen durchgeführt. Über die Befragung sollen neben der aktuellen Bildungssituation unter Corona zudem perspektivisch datenbasierte Erkenntnisse zu den Bildungsverläufen vor Ausbildungsbeginn gewonnen werden, so dass entsprechende Handlungsschritte abgeleitet werden können.





Beteiligte Stellen

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Vorliegende Anträge/Anfragen

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Isabel Fezer
Bürgermeisterin





Anlage 1: Bericht zur Zwischenevaluation des Modellprojekts Neuzugewanderte in Ausbildung
Anlage 2: Sachbericht Ferienlerncamps 2020


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Anlage 2_Sachbericht Ferienlerncamps 2020.pdf
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Anlage 1_Bericht Zwischenevaluation Modellprojekt Neuzugewanderte in Ausbildung 2021.pdf