Protokoll:
Ausschuss für Umwelt und Technik
des Gemeinderats der Landeshauptstadt Stuttgart
Niederschrift Nr.
TOP:
438
1
Verhandlung
Drucksache:
GZ:
Sitzungstermin:
26.09.2017
Sitzungsart:
öffentlich
Vorsitz:
BM Pätzold
Berichterstattung:
die Herren Prof. Cheret (Universität Stuttgart) und Panknin (Ministerium für den Ländlichen Raum - MLR)
Protokollführung:
Frau Faßnacht
fr
Betreff:
Urbaner Holzbau
- mündlicher Bericht -
Die zu diesem Tagesordnungspunkt gezeigte Präsentation ist dem Protokoll als Datei-anhang hinterlegt. Aus Datenschutzgründen wird sie nicht im Internet veröffentlicht. Dem Originalprotokoll und dem Protokollexemplar für die Hauptaktei ist sie in Papierform angehängt.
Herr
Prof. Cheret
dankt für die Gelegenheit, die Vorzüge des Holzbaus im urbanen Kontext darlegen zu können. Er erläutert diese sehr anschaulich mithilfe einer Präsentation. Das Knowhow im Holzbau stecke im Süden von Deutschland:
"Hier gibt es die großen Betriebe, hier gibt es die Forschungseinrichtungen. Im Verbund mit Österreich und der Schweiz ist hier das größte Knowhow möglicherweise weltweit zu finden, doch, wenn man in Deutschland schaut, wo mehrgeschossiger Holzbau passiert, dann ist die Hauptstadt Berlin. Dort wurde nämlich schon vor einigen Jahren begonnen, mehrgeschossig in Holz zu bauen. Übrigens samt und sonders alles Projekte, die über Baugemeinschaften angeregt, umgesetzt und inspiriert wurden. Also Berlin, nicht Stuttgart.
Dann Hamburg: Hamburg steht auch nicht unbedingt im Ruf, eine Stadt zu sein, die eine lange Tradition im Holzbau hat. Und dennoch, die letzte Internationale Bauausstellung 2013 hat den Holzbau befördert, sei es in der Bekleidung, in der Gebäudehülle, sei es als kompletter Holzbau. Immerhin, dieser 'Wood Cube', wie er heißt und wie er auch vermarktet wurde, kommt von süddeutschen - wenn ich es richtig weiß, sogar Stuttgarter - Investoren und auch der Architekt kommt aus Stuttgart, oder Hamburg?"
Bei der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn werden im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung drei Baufelder geplant mit einer Nutzungsmischung 50 % Miete, 6 % Baugruppen und 44 % Eigentum. Bemerkenswert daran sei die Nutzungsmischung als urbanes Quartier und die Innovation im Bereich der Baukonstruktion mit neuen Baustoffen, insbesondere aus Infraleichtbeton, und Holzhybridbauweise. Im Baufeld J soll an sehr prominenter Stelle das höchste Wohnhochhaus in Deutschland entstehen. Das Gebäude werde gefördert über ein EU-Programm, initiiert im Cluster-Beirat Holz.
Mit Blick auf den anschließenden Tagesordnungspunkt 2 - Entwicklung des Areals Rote Wand auf dem Killesberg - merkt er an, laut Auslobung des Wettbewerbs sei nun auch in Stuttgart die Möglichkeit gegeben, da die Themen Nachhaltigkeit, Holzbau und Baugemeinschaften sowie sozialgebundener Wohnungsbau sehr betont wurden. Es gehe nun darum, dies auszuschreiben und der Öffentlichkeit bekannt zu geben.
Nach Meinung von Herrn
Panknin
(MLR) muss der Klimaschutz gerade in Stuttgart eine wichtige Rolle spielen. Die Internationale Bauausstellung 2027 gebe gerade für das Thema Nachhaltiges Bauen ausgesprochen interessante und gute Perspektiven. Bei der Frage: "Was könnten Sie tun als die politischen Vertreter der Kommune?" gebe es zwei Bereiche, in denen kommunale Handlungsmöglichkeiten besonders ausgeprägt gegeben sind. So könne die Kommune als Bauträger für Bauten mit herausragender Bedeutung, z. B. Sporthallen, Versammlungshallen und andere öffentliche Bauten, das Thema Holzbau prüfen, ob es eine Option ist, die wirtschaftlich und angemessen ist und die Anforderungen erfüllt. Außerdem könne im Rahmen der Flächennutzungspläne und Planvorgaben erwogen werden, ob es für bestimmte Projekte, Vorhaben oder Entwicklungszonen sinnvoll ist, das Thema Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen - insbesondere Holz - satzungsmäßig bzw. in den entsprechenden Verordnungen zu verankern. Damit würde man den Planern eine klare und rechtssichere Vorgabe machen und einen Schub auslösen, wenn man in dieser Richtung etwas unternehmen will.
StR
Kotz
(CDU), wie auch die nachfolgenden Rednerinnen und Redner seitens des Ausschusses, danken für den interessanten Vortrag. Unstrittig sei das Thema des ökologischen Mehrwerts, auch wenn es inzwischen bei anderen Baustoffen nachhaltige Ansätze gebe - Stichwort: Betonrecycling. Mit Blick auf die angesprochenen Bestandsgebäude in Holzbauweise im Stuttgarter Westen macht er auf Problematiken aufmerksam bei Sanierungen, um aktuelle Schallschutz- oder Brandschutzanforderungen erfüllen zu können. Im Hinblick auf die Gestaltungsspielräume als Kommune setzen die gesetzlichen Rahmenbedingungen Grenzen, was man sowohl im Neubau als auch im Altbau mit Holz machen kann, um trotzdem die Auflagen der LBO usw. zu erfüllen. Hier ergehe ein deutlicher Appell in Richtung Landespolitik, ein Zeichen zu setzen und rechtliche Rahmenmöglichkeiten zu schaffen, damit die Umsetzung funktioniert. Auch er sieht in der IBA eine herausragende Möglichkeit, um nicht nur über Form und Hülle zu reden, sondern um das Thema auf konstruktiver Ebene voranzubringen und dabei "das eine oder andere Highlight bei uns setzen". Er gehe davon aus, dass das Hochbauamt bei den Planungsbereichen der städtischen Gebäude das Thema immer im Blick hat, um entweder die Entscheidung selbst zu treffen oder den Gemeinderat zu fragen, ob Holzbauweise als Option zumindest vertieft untersucht werden soll.
StRin
Munk
(90/GRÜNE) freut sich sehr über diesen Vortrag und bedauert, dass BM Pätzold denselben krankheitsbedingt nicht hören konnte, da dieser - in seiner damaligen Funktion als Fraktionsvorsitzender - bereits 2015 einen entsprechenden Antrag gestellt habe. Gut gefallen haben ihr die gezeigten Beispiele, z. B. von der IBA in Hamburg. Es habe sie beeindruckt, das Raumklima und den Duft in diesen Gebäuden zu spüren. Diese Themen seien in Stuttgart bisher vernachlässigt worden, weswegen sie sich umso mehr freue über den heutigen Auftakt und die Absicht, gemeinsam auch in Stuttgart den Holzbau voranzubringen. Die Landesregierung habe seit 01.03.2017 mit entsprechenden Verordnungen die Basis dafür geschaffen. Somit könne man aufholen, mehrgeschossigen Holzbau zu schaffen. Sie verweist auf Beispiele in Bayern und Norwegen und vertritt die Meinung, es sei ein Zeichen der Zeit, auch in Stuttgart im Zusammenhang mit der IBA Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen zu thematisieren. Durch die Möglichkeit der industriellen Vorfertigung sei ein Holzbau unter zeitlichen Aspekten kaum zu schlagen. Was die Fassade angeht, so könne man darüber diskutieren, ob diese ebenfalls aus Holz sein muss oder ob man andere Fassadenelemente benutzen kann.
Sie freue sich darüber, bei der Roten Wand am Killesberg damit beginnen zu können. Herrn Prof. Cheret wünscht sie weiterhin gute Arbeit auch in der Forschung und bei der Entwicklung der Rechtsvorschriften, um beim Brandschutz usw. vertieft Sicherheiten hineinzubekommen.
Für StRin
Kletzin
(SPD) geht es heute nicht um die Fragestellung, ob man den Urbanen Holzbau fördern will oder nicht, sondern um die Akzeptanz für diese Holzbauweise bei der Entwicklung des Areals an der Roten Wand am Killesberg seitens der Bevölkerung zu bekommen. Im Bezirksbeirat Nord war der Tenor, das Areal eigne sich dafür eher nicht. Somit gehe es um die Frage: Was haben Technik und Gestaltung miteinander zu tun? Seitens der Technik habe Herr Prof. Cheret sehr gut gezeigt, was machbar ist. Die Frage laute, inwieweit hat die Gestaltung - nicht nur der Fassaden, sondern insgesamt die Form - Auswirkungen darauf. Die spannende Frage sei, "ob wir es bei der IBA schaffen, tatsächlich Projekte hinzukriegen, die einerseits den Anspruch haben, ein Material zu verwenden, von dem man gewohnt ist, dass es gut zu verarbeiten ist und dem es äußerlich nicht unbedingt anzusehen ist, dass es ein Holzbau ist, andererseits es aber auch gelingt, solche Formen hinzukriegen, die scheinbar nichts zu tun haben mit dem Holzbau." Es gehe darum, sich bei Projekten für die IBA inhaltlich festzulegen, dass es Innovationen sowohl von den Materialien als auch was die Gestaltung angeht, gibt. Dies müsse man nach außen tragen. Darüber hinaus gehe es auch um die Kosten. "Inwieweit gibt es die entsprechenden Zuschussprogramme zum Beispiel, damit in solch innovative Ansätze investiert wird?" Zu bestätigen bittet sie Herrn Prof. Cheret, dass er den Entwicklungsprozess beim Areal an der Roten Wand begleiten wird, und darum, ein paar Grundpunkte zu nennen, auf was es aus seiner Sicht dabei ankommt.
StR
Ozasek
(SÖS-LINKE-PluS) lobt besonders die anschauliche Darstellung, "wie urbaner Holzbau heute schon stattfindet auch im Geschossbau, aber leider nicht oder nur unzureichend in Stuttgart". Die Fraktionsgemeinschaft sehe hier Korrekturbedarf, um auch in diesem Bereich den Dekarbonisierungsprozess anzupacken. Holz als Baumaterial biete auch als lokal vorkommender nachwachsender Rohstoff entscheidende Vorteile. Nicht zuletzt biete Holz für das Raumklima und für den Wohnwert entscheidende - auch gesundheitliche - Vorteile. Er habe es sehr bedauert, dass in den letzten Jahren bei Preisgerichten und auch seitens der Ämter starke Vorbehalte zum urbanen Holzbau vorgebracht wurden und eine eher ablehnende Haltung zu spüren war. Nicht nur bei Bauausstellungen seien inzwischen viele Beispiele zu sehen, dass urbane Holzbauweise funktioniert und es gang und gäbe sei, dass derartige Gebäude mit sieben Vollgeschossen oder mehr funktionieren.
Die IBA sei daher eine große Chance, jedoch sei auch zu überlegen, ob Holz nicht auch Bestandteil der Konzeptqualitäten sein müsste, die man sich als Stadt auferlegt hat und diesbezüglich eine Anpassung erfolgt. "Wir sprechen unseren Ämtern hier gerne auch Mut zu, dem Stadtplanungsamt, dem Hochbauamt, dass wir als Stadt Stuttgart hier wirklich Vorreiter sind und gerade bei Funktions- und Typenbauten und Verwaltungsbauten wirklich so etwas auch realisieren, exemplarisch machen, es funktioniert, wir können das machen." Weiterhin hofft er, nach dem heutigen schönen Auftakt bald Ergebnisse zu sehen.
StR
Zeeb
(FW) ist begeistert von der heutigen Vorstellung des Themas Holz als Werkstoff. Als Grund, weshalb die urbane Holzbauweise in Stuttgart bisher noch nicht stärker vertreten ist, laute seine Philosophie, "dass man im Schwäbischen Bauen mit anderen Dingen verbindet. Zum Beispiel will man massive Keller und Häuser mit großer Stabilität haben, die Wind und Wetter standhalten." Dass man heutzutage viel mehr mit Holz als Werkstoff machen kann - Vorfabrikation, gesundes Raumklima, schnelles Bauen - sei noch nicht durchgedrungen. Somit müsse man daran arbeiten, die vorhandene Mentalität zum Thema Bauen zu verändern, und an der Roten Wand Vorbilder schaffen, welche die Menschen vor Ort anschauen können, sodass auch private Bauherren und der Gewerbe- und Industriebau von sich aus einsteigen und nicht nur über Festsetzungen im Bebauungsplan die Holzbauweise vorgeschrieben wird. Dies sei jedoch nicht möglich, ohne entsprechende Änderungen in der Landesbauordnung (LBO).
StR
Brett
(AfD) verweist auf eine Fertighaus-Firma, welche ihre Häuser schon früher zu 80 % aus Holz gebaut habe. Jedoch hätten die Banken die Häuser nicht finanziert, da sie der Meinung waren, die Häuser haben keine ausreichend lange Lebensdauer. Um gleichwertig zu sein, müsse man hierfür eine Lösung finden, vor allem bei Gebäuden im gewerblichen Bereich. Zu erläutern bittet der Stadtrat die Aussage von S. 3 der Präsentation, wonach 1 m³ Holz ungefähr 1 t CO
2
entspricht. Er schlägt vor, in Stuttgart nach dem Muster von Berlin vorzugehen, wo auf Flachdächern kleine, leichte Holzhäuser gebaut werden.
Um Überlassung der Präsentation bittet StR
Dr. Schertlen
(STd). Nach seiner Auffassung ist Holz ein total unterschätzter und vernachlässigter Werkstoff, insbesondere im Bauwesen. Seine nachstehenden Fragen könnten - falls diese zu spezifisch seien - gerne auch im Nachgang per Email beantwortet werden. Ihn interessiert, ob Holz chemisch behandelt werden muss, damit es als Werkstoff dem Brandschutz genügt. "Wie sieht es aus bei dem Thema Faulen und an sich mit der Haltbarkeit?" Er bittet auch anzugeben, welche Preisunterschiede zwischen Gebäuden in Holzbauweise und vergleichbaren Betongebäuden bestehen. "Gäbe es bei Betongebäuden die Möglichkeit, Holz als Dämmmaterial an die Fassade dran zu machen?" Ihn interessiert außerdem, wie der Lärmschutz zwischen den Stockwerken geschieht und wie es mit der Entsorgung aussieht, wenn ein Holzhaus am Ende seiner Lebenszeit ist im Sinne des Cradle to Cradle-Ansatzes. "Wieviel Abbauaufwand ist damit verbunden?"
Ferner fragt er, wieviel Holz man benötigen würde, um in ganz Deutschland nur noch Holzhäuser zu bauen. "Wie viel Holz, wie viele Bäume stecken in einem Haus und was würde es bedeuten, wenn man sämtliche Häuser in Holz errichtet? Wie viel Quadratkilometer Wald müsste man dafür haben?" Was das Thema der Akzeptanz angeht, so sieht er die Stadt gefordert, in Vorleistung zu gehen und beispielhafte Gebäude zu errichten - u. a. Flüchtlingsunterkünfte, Kitas und andere städtische Gebäude.
Herr
Panknin
dankt für das Interesse am Thema Holzbau und für die konstruktive Diskussion. Aus seiner Sicht scheinen zwei Dinge zentraler Hemmschuh für die Realisierung von Holzbauprojekten auf kommunaler Ebene zu sein:
Erstens scheine es Unsicherheiten zu geben, was Kosten und was Technik anbelangt. In aller Regel seien es Pilotanwendungen, die unter Umständen ein bisschen teurer sind, als wenn man sie in konventioneller Bauweise erstellt. Aus diesem Grund habe das Land ein Förderprogramm aufgelegt, das helfen kann, über diese Klippen zu kommen. So biete das Ministerium für das Vorhaben Rote Wand der Stadt eine Förderung des Entwicklungsplans an, um die Mehrkosten, die unter Umständen damit verbunden sind durch wissenschaftliche Begleitforschung, Akzeptanzmanagement, etc. kompensieren zu können. Die gleiche Förderung werde auch angeboten im Zusammenhang mit der Realisierung von Leuchtturmprojekten. "Wir brauchen Leuchtturm-Projekte in Baden-Württemberg, Anschauungsobjekte, die den Investoren, die vor der Frage stehen "Bauen wir mit diesem Werkstoff oder nicht?" Sicherheit geben können.
Zweite Anmerkung, die Frage jetzt für Sie als Gemeinderäte mit Blick auf die Verwaltung: Ihre Bauverwaltung, das ist immer wieder eine Beobachtung, die wir machen, die tun sich natürlich schwer. Die prüfen mit großer Verantwortung diese Thematik, aber wenn Sie jetzt den Vorschlag machen, dann wissen die ganz genau, sie übernehmen jetzt auch eine Verantwortung für eine bestimmte Technologie, mit der sie unter Umständen jetzt noch nicht die breite Erfahrung haben wie in anderen Bereichen. Und deswegen ist es ganz wichtig, und das ist auch sehr schön aus Ihren Beiträgen herausgekommen, dass Sie als politische Vertreter Ihrer Kommune Ihrer Verwaltung entsprechend Mut machen, ihnen den Rücken stärken und ihnen Sicherheit geben, dass sie wirklich tatsächlich diesen Schritt in der Anwendung dieser Technologie machen."
Herr
Prof. Cheret
schließt sich dem Dank für die sehr positiven Rückmeldungen an. Er geht auf die Wortbeiträge wie folgt ein (leicht überarbeiteter Wortlaut):
"Herr Kotz, Sie haben die Anmerkung gemacht, Stuttgarter Westen. Das war natürlich ein Transportmittel im Anfang. Natürlich sprechen wir im Stuttgarter Westen über eine Bautechnik, die mittlerweile 100, 120, 130 Jahre alt ist und dass es da akustische Probleme gibt, und wenn man da den Brandschutz genauer anschauen würde, würden vermutlich da Probleme auftauchen. Aber das spannt den Bogen zur Anmerkung von Frau Kletzin, nämlich, dass man tatsächlich und auch sehr vollmundig die Aussage treffen kann, dass der Holzbau in den letzten 10, 15, 20 Jahren gewissermaßen Karriere gemacht hat, indem man sich losgelöst hat von Bauweisen hin zu industriellen Fertigungstechniken. Und das war auch sehr, sehr intensiv begleitet mit Forschung. Forschung ist dazu da, Fragen zu beantworten, die Hemmnisse darstellen, gerade wenn es um Bereiche der angewandten Forschung darum geht, Hürden abzubauen. Und natürlich geht es da um Akustik, natürlich geht es nicht nur um Wärmeschutz - das ist immer das erste Argument, wenn es ums Klima geht -, aber es geht natürlich um Akustik, es geht um Brandschutz. Und dort kann ich versichern, hat der Holzbau einen Stand erreicht, der nur darauf wartet, sich zu multiplizieren. Er wird noch zu wenig nachgefragt. Wir haben hochkompetente Leute und auch Firmen, die eine Kapazität aufgebaut haben, auch komplexere Bauaufgaben zu bewältigen.
Frau Kletzin, Sie haben nachgefragt, wie es denn weiterginge mit Begleitung des Projektes (Rote Wand). Es ist tatsächlich so, also ich als Person war ja im Preisgericht für die Rote Wand, habe den Vorsitz gehabt, habe das dann auch in der Überarbeitung mitbetreut und wir sind seither im Gespräch. Es ist nicht nur angedacht, sondern eigentlich beschlossen - allerdings ruht es jetzt seit einem Jahr -, nämlich wie geht dieses Projekt weiter und in welchem Rahmen kann man dafür sorgen, dass eine gewisse Sicherheit hergestellt wird im Ablauf? Und da haben wir auch in der Betreuung und wenn es darum geht, Fragen, die im Raum stehen zu beantworten, gibt es das Konzept, dass wir über einen Förderantrag im Ministerium für den Ländlichen Raum, im Cluster-Beirat die Mittel schaffen, dass ein Team von Experten dieses Projekt betreut und zwar in der Absicht, dies sehr grundsätzlich zu tun, gewissermaßen prototypisch in Aussicht auf weitere Projekte, wo man den Projektablauf betreut, die ganzen Mechanismen, die Steuerungsparameter usw. beurteilt. Aber es soll weitergehen für den Fall, dass Sie in der Roten Wand eine Präferenz für den Holzbau in dieses Suchverfahren eingeben.
Und das führt möglicherweise - Herr Zeeb, Sie haben gerade gesagt, um was es geht. Wenn es um einen Normalbürger geht - und man sich auf diese Ebene der Vereinfachung begibt -, dann ist Holz in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht das Material, das für persönliche Erfolgsmonumente tauglich ist, obwohl das schon lange aus dem Weg geräumt ist und so nicht mehr stimmt. Die einzige Möglichkeit, das zu überwinden ist, es tatsächlich zu realisieren und zu zeigen, dass es geht. Und Sie haben von Vorbildcharakter gesprochen, das wäre für eine Stadt wie Stuttgart, wo es tatsächlich so viel Knowhow gibt, was Technologie auch im Bereich Holzbau angeht, sehr wünschenswert.
Dann war ein Thema baulicher Holzschutz: Da gibt es Regelungen, es gibt sogar eine DIN, die gerade darauf nicht zielt, das alles mit Chemie und mit bösen Materialien zu machen, das wäre kontraproduktiv. Sondern die 68800 - baulicher Holzschutz - gibt ein Regelwerk, das sehr, sehr tauglich ist und das seit einigen Jahren sehr gut erprobt ist, wo man sicherstellt, dass Holz, wenn es denn der freien Bewitterung entzogen ist, tatsächlich eine Lebensdauer hat, die wir ja auch aus unseren mittelalterlichen Städten - Fachwerkhäuser usw. - kennen. Also da kann ich Sie beruhigen, das ist sichergestellt.
Dann haben Sie gesagt, Nachverdichtung von Dächern: Das ist ein Superthema! Wenn man von der Weinsteige auf Stuttgart sieht, dann sieht man sehr viele unbebaute Grundstücke. Natürlich ist es nicht so einfach, weil die flachen Dächer, die brachliegen, stammen ja aus einer Bauzeit, die nicht unbedingt soweit vorausgedacht hat, dass man mal oben aufs Dach etwas draufstellt. Da geht es um Reserven, da ist dann der Tragwerksplaner gefragt. Aber ganz grundsätzlich sind das Ansätze, die es schon überall gibt. Ich hätte beinahe eine Folie gezeigt, es gibt in Stockholm unmittelbar neben dem Hauptbahnhof, also mittendrin eine fast schon idyllische Kleinsiedlung aus Reihenhäusern auf einem Dach größeren Umfangs, wo schätzungsweise 500 bis 600 Menschen leben, mitten in der Großstadt am Bahnhof. Das gibt es also alles schon. Und auch, wie gesagt, wieder die Anmerkung: Die Technologien sind da, sie müssen nur abgerufen werden und auch der politische Wille ist entscheidend.
Dann Thema Brandschutz, Brandschutz ist natürlich ein unglaublich heikles Thema. Da geht es darum, wenn Sie vorhin dieses erste Gebäude in Berlin sich genauer angeschaut haben, da geht es um intelligente Strategien. Was meint man denn, wenn es um Brandschutz geht? Zum einen haben wir ein Material, das ist berechenbar. Wenn Sie einen Feuerwehrmann fragen, wo er den Brand lieber löscht, in einem Stahlbau oder in einem Holzbau, dann wird er Ihnen sagen 'Holz'. Weil er genau weiß, Holz brennt kalkulierbar ab, und zwar genau 0,7 mm pro Minute. Das heißt, wenn das F60 ist und es ist ordentlich geplant, ist so viel Polster bis das Tragwerk versagt, das findet im Stahlbau nicht statt und im Betonbau auch nicht. Aber nichtsdestotrotz, Holz brennt. Und wenn Holz brennt im Brandfall, dann gibt es ein Problem mit dem Rettungsweg, also, dass die Menschen einen Weg haben, in dem sie sicher sind. Da geht es dann um intelligente Grundrisse, da geht es um sichere Rettungswege. In aller Regel sind Sicherheitstreppenhäuser in Beton, also nicht brennbar. Und der Weg dahin, der muss natürlich auch von Brandlast befreit sein. Aber auch das sind lauter technische Fragestellungen, die beantwortbar sind.
Dann Kosten: Tatsächlich ist der Holzbau nicht unbedingt die billigere Variante bezogen auf die Erstinvestition. Auf Investitionen in längere Zeit und Nachhaltigkeit sieht das ganz anders aus. Tatsächlich ist es so, dass mit Holz zu bauen mindestens genau so viel kostet, tendenziell mehr, als in einem, sagen wir einmal 'Low-Level-Massivbau'. Das zu vergleichen ist eh nicht besonders seriös, aber auch der Holzbau ist wirtschaftlich herzustellen. Das hat etwas mit der Intelligenz des Entwurfs zu tun, der typologischen, der geometrischen Grundordnung der Machbarkeit. Da geht es um Spannweiten und all diese Dinge, die genauso ein Parameter sind im Massivbau, der eben dann teuer wird, wenn die Konstruktion unsinnig wird. Also genau dieselbe Disziplin muss es im Holzbau auch geben. Also auch da eigentlich keine größeren Probleme. Aber nochmals, bevor da Missverständnisse entstehen, Holz ist nicht billiger.
Holz ist auch im Unterschied zum konventionellen Massivbau aufwändiger in der Planung. Es muss ja Gründe geben, warum die Marktanteile nicht so sind, wie sie eigentlich sein könnten. Das hat damit zu tun, dass ein Holzbau zu planen als Tragwerksplaner und als Architekt sehr, sehr viel aufwendiger ist als ein Massivhaus. Das ist einfach so. Wenn der Architekt zwei Striche macht im Massivbau, dann sind die zwei Striche eine Wand. Wenn man dieselbe Wand im Holzbau zeichnet, dann muss man mindestens zehn Striche machen und muss auch noch den Inhalt der Striche so koordinieren, dass sie bauphysikalisch, akustisch, baurechtlich letztendlich, brandschutzmäßig auch koordiniert sind. Da braucht es mehr Wissen, eine höhere Qualifikation.
Also ich habe ja auch ein Büro in Stuttgart und wir bauen deswegen nicht zuletzt auch ganz gerne mit Holz, denn, wenn wir einen Holzbau errichten, wie jetzt gerade die Sporthalle in Stuttgart-Riedenberg, dann mache ich eigentlich schon immer - seit ich Architekt bin - die Erfahrung, dass die Zimmerleute durchweg alle hochqualifiziert sind, die können Pläne lesen, die sind intelligent, die wissen etwas über Logistik - und, und, und. Das ist im Massivbau nicht selbstverständlich.
Holz als Dämmmaterial gibt es. Das ist natürlich interessant und auch logisch, natürlich wenn es um sd-Werte und um Lambda-Werte, gibt es Materialien von Bayer, die vielleicht etwas mehr können. Aber auch da, das ist eine interessante Variante bzw. im Einfamilienhaus, wenn es um Ausflocken geht, ist ja dort schon ein Markt da, der abgerufen wird.
Akustik, auch da der Hinweis - wissenschaftlich gesichert -, da gibt es ein Regelwerk, da gibt es Bauteil-Aufbauten, die kein Geheimnis sind und die angewendet werden können. Entsorgung, liegt auf der Hand, dass Holz, wenn ein Holzbau abgebaut wird, dann ist es in aller Regel so gefügt, dass es relativ einfach wieder zu trennen ist. Holz kann man sägen, wenn es darum geht, es staubt nicht beim Abbruch, und selbst wenn im dümmsten Fall das Holz thermisch verwertet wird, also verbrannt wird, wird nicht mehr CO
2
freigesetzt als gewissermaßen vor dem Beginn der Bauzeit in das Holz eingelagert wurde. Holz ist klimaneutral, CO
2
-neutral. Das ist ja das oberste Argument, wenn es um Nachhaltigkeit geht.
Dann: Holzvorräte ist natürlich ein Thema. Ich rede jetzt ins Unreine, weil ich es nicht genau weiß. Ich habe nur die Zahlen parat, das sind offizielle Zahlen, dass in Deutschland pro Jahr 60 Mio. Festmeter Holz nachwachsen und nur 40 geerntet werden. Jetzt sieht das so aus, als wäre da eine große Differenz, aber so einfach ist das nicht, wegen der Besitzverhältnisse usw. Aber kurzum, das Holz ist da, ob es in dem Umfang da ist, das ist fraglich. Und es geht auch darum, wie effizient das Holz verwendet wird. Die letzten und die neueren Entwicklungen im Holzbau zielen ja nicht darauf, dass man Holzbau aus einzelnen Stäben, die hochqualitativ und aus dem besten Stück vom Stamm geschnitten werden, macht. Sondern die zielen auf massive Bauweisen, das heißt, man nimmt Holz, bringt es in einen Verbund, quer oder längs, man stapelt das Holz, und bei dieser Technologie spielt die Qualität der Einzellamelle längst nicht die Rolle als wäre das ein Stab, der die Verantwortung für das Tragen übernimmt. Das heißt also, man kann den Baum, wie er im Forst geschlagen wird, weitgehender ausnutzen als in der traditionellen Bauweise."
Für die umfassende Beantwortung selbst der Detailfragen dankt der
Vorsitzende.
Er verweist auf mehrere Kindertagesstätten der Landeshauptstadt Stuttgart, die in Typenbauweise hergestellt sind. Darüber hinaus gebe es die Kita Tiefenbachstraße und die Kita Hohewartstraße in Holzkonstruktion, eine weitere sei gerade in der Planung. Außerdem plane man den Betriebshof der AWS in Wangen in Holzbaukonstruktion, sodass man durchaus auf dem Weg sei, sich stärker in Richtung Holzbauweise zu bewegen.
BM
Thürnau
stellt abschließend fest:
Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat vom Bericht
Kenntnis genommen
.
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