Statistische Armutsgrenzen sind umstritten, denn die sogenannte Einkommensarmut gibt den gesellschaftlichen Status nur unzureichend wieder. Faktoren wie Bildungsstand, soziale Netze, Gesundheit oder Teilhabemöglichkeiten spielen ebenfalls eine große Rolle. Wie auch immer relative Armut beschrieben wird: Es geht um die ungleiche Verteilung von Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Armutsbekämpfung im Aufgabenfeld der Strategischen Sozialplanung besteht darin, Strategien für eine chancengerechte und soziale Stadt zu entwickeln. Dabei sind auch die Gruppen zu berücksichtigen, die über den Transferleistungsbezug nicht sichtbar sind, wie u. a. alte Menschen mit geringen Renten („verdeckte Armut“).
Für Stuttgart wird aktuell geprüft, ob über Daten des Mikrozensus 2021 eine höhere Aussagekraft zur Verteilung von Reichtum und Armut in der Landeshauptstadt Stuttgart möglich wird. Relevante Daten werden dann in die weitere Betrachtung einbezogen.
Armutsbekämpfung in der Stadt Stuttgart erfordert vielfältige Kooperationen. Ein wichtiger Partner ist die Liga der Wohlfahrtspflege, insbesondere im gemeinsamen Prozess der Armutskonferenzen (GRDrs 606/2019 Ergebnisse der „Stuttgarter Armutskonferenz 2019 - Vernetzt gegen Armut“). Die Armutskonferenz 2019 wurde in einem partizipativen Prozess mit der Liga der Wohlfahrtspflege unter Einbezug von Selbstvertretungen geplant und durchgeführt. Dabei wurden vier Arbeitsfelder thematisiert: Wohnraumversorgung und Wohnungsnotfallhilfe; Arbeit und Beschäftigung; Bildungschancen; Soziale und kulturelle Teilhabe. Im Rahmen der Handlungsstrategien 2022/2023 zur Armutsbekämpfung werden die Strategische Sozialplanung und die Liga der Wohlfahrtspflege zweimal im Jahr einzelne Themen aus dem Bereich Armut im Sozial- und Gesundheitsausschuss vorstellen. Ab dem 3. Quartal 2022 wird ämterübergreifend in Abstimmung mit der Liga der Wohlfahrtspflege die nächste Stuttgarter Armutskonferenz vorbereitet, die im Sommer 2023 stattfinden soll. Grundlegend für das Thema Armutsbekämpfung ist ein integrierter und stadtweiter Ansatz, der Einbezug der Planungen aller Ämter, die Beteiligung von Selbstvertretungen und Selbsthilfe, Stiftungen und die enge Kooperation mit den Angeboten der Wohlfahrtspflege Stuttgart. Krisen-Situationen in der Landeshauptstadt Stuttgart Die Strategische Sozialplanung soll insbesondere in Krisenzeiten Koordinationsprozesse übernehmen und übergreifende Herausforderungen angehen. Durch den Krieg gegen die Ukraine und die Flucht vieler Menschen nach Deutschland steht die Stadt Stuttgart vor großen Herausforderungen. Die Strategische Sozialplanung arbeitet im städtischen Koordinierungsstab Ukraine mit. Sie leitet eine Arbeitsgruppe, die den Aufbau eines Ankunftszentrums und die Klärung der Situation der Geflüchteten zum Ziel hat. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Ämtern des Referates Soziales und gesellschaftliche Integration, dem Referat Sicherheit, Ordnung und Sport und dem Regierungspräsidium Stuttgart. 3. Zwischenstand Gesellschaftlich zeigt sich eine klare Tendenz (vgl. Bertelsmann-Stiftung 2020: Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt): Der Zusammenhalt ist dort stärker, wo Menschen bessere Chancen auf eine selbstbestimmte und aktive Teilhabe an der Gesellschaft haben. Wo Armut und Ungleichhalt herrschen, fällt der Zusammenhalt geringer aus. Strategische Sozialplanung unterstützt über übergreifende Koordinationsprozesse zu komplexen sozialen Themen die gesellschaftliche Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Strategische Sozialplanung befindet sich u. a. über die genannten Themen im Aufbau. Deutlich ist schon jetzt ein hoher beteiligungs- und abstimmungsorientierter Aufwand, um der Komplexität der Themen und ihrer grundlegenden Bedeutung für eine soziale Stadt gerecht zu werden. Wichtig ist bei allen Themen die Nachhaltigkeit der Strategien und der damit verbundenen Maßnahmen und ihre fortwährende Anpassung an die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Landeshauptstadt Stuttgart. Beteiligte Stellen -- Vorliegende Anträge/Anfragen -- -- Dr. Alexandra Sußmann Bürgermeisterin -- <Anlagen> zum Seitenanfang