Innerhalb der bislang bestehenden drei Förderbereiche kommt es zu inhaltlichen Überschneidungen bei den gestellten Anträgen. Grund hierfür ist, dass sich alle Bereiche im Kern mit gesellschaftlicher Transformation befassen.
Hinzu kommt, dass sowohl der Förderfonds Kulturelle Bildung als auch der Förderfonds Interkultur in den letzten Jahren dreifach überzeichnet waren, d. h. das Antragsvolumen war dreimal so hoch wie die zur Verfügung stehenden Mittel. Im Bereich der Soziokultur gibt es hingegen nur rudimentäre Projektfördermittel in Höhe von 5.700 EUR p. a.
Zur Förderhistorie in Stuttgart, Begriffsdefinition und aktuellen kulturellen (Förder-)Praxis im Einzelnen:
1. Kulturelle Bildung
Die aktuelle Praxis in Stuttgart zeigt: Längst sind es nicht mehr ausschließlich Migrantenvereine, die Projekte und Veranstaltungen ehrenamtlich durchführen. Neben klassischen Mitgliederorganisationen arbeiten viele professionelle Kulturvermittler und Kunstschaffende freiberuflich oder festangestellt an Kindergärten, Schulen, Kulturhäusern, Vereinen und Verbänden. Dabei stehen die genannten Themenfelder im Fokus. Die Arbeitsweise unterscheidet sich grundsätzlich nicht von Vereinigungen ohne interkulturellen Schwerpunkt. Daher eignet sich der Begriff der „Kulturellen Teilhabe“ besser, wenn es um die Wertschätzung der kulturellen Beiträge von Einzelnen und Gruppen, um deren Mitgestaltung des kulturellen Lebens und um deren Mitverantwortung dafür geht.
Seit 2023 erhält das „House of Ressources“ mit Trägerschaft des Forums der Kulturen jährlich 150.000 EUR von der Landeshauptstadt Stuttgart. Neben Beratungsleistungen werden 50.000 EUR für kulturelle Projekte und Schulungen von Migrantenvereinen verwendet.
Die „Abteilung Integrationspolitik“ (SI-IP) der Landeshauptstadt Stuttgart fördert Maßnahmen und Projekte zur Selbstbefähigung von Geflüchteten. Der Abteilung stehen insgesamt 200.000 EUR für alle Maßnahmen zur Verfügung.
Ursprünglich in den 1970er Jahren gegründet, boten Soziokulturelle Zentren, zunächst vor allem auf Basis ehrenamtlicher Strukturen, Möglichkeiten kultureller Partizipation und verfolgten somit die Idee einer Demokratisierung von Kultur: Kultur von allen für alle. Soziokultur öffnet sich heute vielfältigen Auffassungen von Kultur, fördert durch kulturelle Beteiligung bürgerschaftliches Engagement und kreativ-kulturelle Kompetenzen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Aktuell durchläuft die Soziokultur jedoch einen Generationenwechsel: Jüngere Akteure arbeiten zunehmend projektorientiert und in Kollektiven und beschäftigen sich mit globalen Megatrends wie Ressourceneffizienz und sozial-ökologischen Transformationen. Zudem professionalisieren sich die Vereine über das reine Ehrenamt hinaus und ermöglichen kulturelle Teilhabe überwiegend mit professionellen, freiberuflichen Kulturvermittlerinnen und Künstlern. Dafür sind faire Löhne und Planbarkeit von Arbeitszeit erforderlich.
In Stuttgart wächst die Anzahl der Anfragen jenseits der im Haushalt verstetigten Projektförderungen und der institutionellen Förderung der fünf soziokulturellen Zentren. In allen Stuttgarter Bezirken besteht insbesondere der Bedarf an partizipativen Kulturprojekten, die auf nachbarschaftlichen Strukturen fußen. Solche aktivierenden, niedrigschwelligen Projekte sind ein entscheidender Faktor bei der Quartiersentwicklung, da sie neben Communitybuilding zur Identifikation und Identitätsstiftung von Bewohnenden mit dem eigenen Stadtteil beitragen.
Umsetzung des partizipativen Prozesses:
Bis zum Frühjahr 2025 soll ein neuer Förderfonds entwickelt werden, der den Zugang zu kulturellen Angeboten erleichtert und aktive Teilhabe fördert. Durch die Verbindung der Bereiche Kulturelle Bildung, Interkultur und Soziokultur wird ein gemeinsames, umfassendes Förderprogramm entstehen, das der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft gerecht wird und bedarfsorientierte Förderstrukturen schafft.
In einem ersten Schritt wurden 2023 fünf Projektwerkstätte im Bereich Interkultur umgesetzt. Im gemeinsamen Dialog/Arbeitsprozess zwischen Fachjury und Kulturakteuren wurden erste Qualitätskriterien für künftige Förderstrukturen erarbeitet. Diese stellen in Bezug auf Adressaten/Teilhabende und Methodik hilfreiche Ausgangspunkte dar. In den Diskussionen wurden erneut die Überschneidungen zwischen Interkultur, Kultureller Bildung und Soziokultur deutlich.
In einem zweiten Schritt werden zwischen Herbst 2024 und Frühjahr 2025 in unterschiedlichen Formaten und unter Einbindung der Öffentlichkeit (insbesondere Kulturakteuren) aktuelle Begrifflichkeiten, Methoden und Bedarfe erfasst und diskutiert. In dem extern moderierten Prozess werden unterschiedliche Communities eingebunden. Die Kulturverwaltung gleicht die Vorschläge zum Förderprogramm mit den förderrechtlichen Rahmenbedingungen ab. In einer begleitenden Fokusgruppe werden Ergebnisse erneut überprüft und anschließend der Politik als Entscheidungsgrundlage vorgelegt.
Neben externen Fachleuten werden von städtischer Seite unter anderem folgende Stellen/Bereiche in den Prozess eingebunden: Kulturamt-Koordinierungsstellen Kubi-S und Erinnerungskultur, Abteilung Integrationspolitik (SI-IP), Abteilung für Chancengleichheit (OB-CG), Projektmittelfonds „Zukunft der Jugend“ (51-00-74), Förderung Bürgerschaftliches Engagement (10-2.5 B.E.), Sozialamt: Soziale Beratung und Engagement für Geflüchtete (50-41), Sachgebiet Förderung Bürgerschaftliches Engagement (10-2.5 B.E.), Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung (SI-BB).
Save the Date: Eine erste öffentliche Werkstatt ist geplant für den 18.10.2024.
Beteiligte Stellen - Vorliegende Anträge/Anfragen - - Dr. Fabian Mayer Erster Bürgermeister - zum Seitenanfang