Beantwortung zur Anfrage
42/2002

Landeshauptstadt Stuttgart Stuttgart, 09/11/2002
Der Oberbürgermeister
GZ: OB 6200-30.0



Beantwortung zur Anfrage
Stadträtinnen/Stadträte - Fraktionen
    Schmid Roland (CDU), Hill Philipp (CDU), Kirchner Oliver (CDU)
Datum
    02/11/2002
Betreff
    Schienenberegnungsanlage
Anlagen
    Text der Anfragen/ der Anträge
Beantwortung/ Stellungnahme:

Zu 1.

Auf einer Länge von rund 120 m der insgesamt 6,3 km langen Stadtbahn-Neubau-strecke Heumaden – Ostfildern wurde zwischen den Haltestellen Technische Aka-demie und Endstelle Nellingen eine Versuchsanlage zur Schienenberegnung in-stalliert. Mit ihr wird versucht, das witterungsabhängige Phänomen nachzubilden, dass “Schienenquietschen” bei Regen und Schnee fast nicht auftritt, bei Trockenheit und besonders bei trockener Kälte aber nahezu unvermeidbar ist.

Schienenberegnung ist keine neue Methode. Sie wird z. B. bei der Hamburger Hochbahn seit längerem auf Brücken eingesetzt.

Zu den Erfahrungen mit dem Versuch in Nellingen gehört, dass aus Gründen der Betriebssicherheit eine ganz einfache Lösung, ähnlich einer Gartenschlauchbe-regnungsanlage, nicht möglich war. Die Anlage musste fest installiert werden. Ihre rund 450 Düsen werden, abhängig von der Fahrtrichtung, über eine vom Stadtbahn-zug gesteuerte Lichtsignalanlage bzw. über eine Lichtschranke aktiviert. Bei Frost wird sie über elektromagnetische Auslaufventile thermostatgesteuert entleert. Diese technische Lösung konnte allerdings nicht verhindern, dass sie mehrfach eingefroren ist.

Beim Betrieb hat sich auch gezeigt, dass der Bahnkörper im Versuchsabschnitt wegen der häufigen Wasserzufuhr zusätzlich drainiert werden musste; der Rasen-bahnkörper im Versuchsabschnitt ähnelt inzwischen einer Sumpfwiese.

Lärmmessungen im Vorher-Nachher-Vergleich ergaben eine Lärmreduzierung von nur 1,5 – 2,0 dB(A). Dabei ist zu beachten, dass dort, ohne Schienenberegnung, die Geräuschemissionen unter den gesetzlichen Grenzwerten und den Auflagen der Planfeststellungsgenehmigung liegen.

Zu 2.

Für diesen Beregnungsversuch in Nellingen sind bisher Investitionsaufwendungen von rund 60.000 € angefallen. Die jährlichen Betriebskosten schätzt die SSB auf rund 12.000 €, d. h. ca. 100 € pro laufenden Meter Doppelgleis.

Zu 3.

Die bisherigen Erfahrungen mit der Versuchsanlage in Nellingen zeigen, dass sich kein Verhältnis zwischen Aufwand und Wirkung der Maßnahme abzeichnet, das unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten vertretbar wäre. Dabei war die Ausgangslage bei den Investitionen in Nellingen sogar besonders günstig: Unmittelbar neben dem Bahnkörper führt dort eine Leitung einer durch die Stadt Ostfildern gefassten Quelle vorbei, die zur Versorgung der Beregnungsanlage genutzt werden konnte.

Vor diesem Hintergrund hat die SSB derzeit nicht die Absicht, solche Anlagen an anderen Streckenabschnitten im Stadtbahnnetz zu installieren. Denn in allen Berei-chen, wo sich Anwohner über Quietschgeräusche der Stadtbahn beklagen, sind die gesetzlichen Lärm-Grenzwerte eingehalten. Die bei der SSB eingeleitete Unterneh-mens-Restrukturierung mit dem Ziel, deren Ausgleichsanspruch zu senken, lässt weitere Versuche nicht zu.

Eine definitive Entscheidung über die Zukunft der Versuchsanlage in Ostfildern und damit auch über die Installation solcher Anlagen an anderen Stellen kann aber ohnehin erst getroffen werden, wenn eine Reihe anderer Maßnahmen an Fahrweg und Fahrzeug zur Minderung des Schienenverkehrslärms auf ihre Wirksamkeit ge-prüft sind. Die SSB arbeitet hier eng mit einem wissenschaftlichen Institut der TU Berlin zusammen, das sich auf das Zusammenwirken von Rad und Schiene spezialisiert hat.





Dr. Wolfgang Schuster