Beantwortung zur Anfrage Nr. / Stellungnahme zum Antrag Nr.
290/2000
Landeshauptstadt Stuttgart Stuttgart,
03/23/2000
Der Oberbürgermeister
GZ:
OB
Beantwortung zur Anfrage
Stadträtinnen/Stadträte - Fraktionen
Dr. Eisenmann Susanne (CDU), Hill Philipp (CDU)
Datum
02/14/2000
Betreff
Städtische Galerie - Bestand- und Zukaufskriterien
Anlagen
Text der Anfragen/ der Anträge
Beantwortung/ Stellungnahme:
1. Der aktuelle Besitzstand stellt sich in statistischer Übersicht folgendermaßen dar:
Sammlungs-Statistik
Nummern im Galerie-Inventar: 13.043
davon Grafik: 8.203
davon sammlungswürdig (ohne Dix): 1.500
davon Grafik: 900
davon ausstellungswürdig: 300
Werke nach 1945: 400
davon ausstellungswürdig: 180
Dauerleihgaben: 230
Fritz Winter-Stiftung: 505
Otto Dix: 232
davon Gemälde inkl. LG: 33
davon Leihgaben: 18
gerundete Zahlen sind Circa-Werte
2. Die Galerie der Stadt Stuttgart besteht seit 1925. Im Gegensatz zu älteren Instituten kann
sie nicht auf einen sehr großen gewachsenen Bestand zurückgreifen. In der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war das Sammlungsprofil regional orientiert. Im Sinne einer Profilschärfung und damit größerer Attraktivität wurde das Sammlungskonzept der Galerie 1994 neu formuliert, dem Gemeinderat zur Kenntnis gegeben und am 26. September durch BM Dr. Schuster der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese Konzeption ist nach wie vor gültig, muß aber als in einem lebendigen Prozeß befindlich angesehen werden, da die kulturellen Umstände sich ständig ändern und Anpassung fordern.
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Nach dieser neuen Konzeption ist die Stuttgarter Sammlung Schaufenster der herausragenden künstlerischen Beiträge Südwestdeutschlands zur deutschen, europäischen, sogar internationalen Kunst. Zugunsten des Spitzenanspruchs wurde die Breitendarstellung stark reduziert beziehungsweise aufgegeben.
In das Sammelgebiet fallen Künstler, die biografisch mit Südwestdeutschland verbunden sind; Künstlerwerke mit thematischem Bezug zum Südwesten sowie Dokumentationen prägender Kunstereignisse, die hier stattgefunden haben. Dabei ist die Galerie nicht nur den Künstlern – und in gewisser Weise auch den Galeristen – als der “produzierenden Seite” verpflichtet, sondern ebenso dem Publikumsinteresse, das bestimmte Erwartungen an Museen allgemein und an ein Haus unserer Struktur im Besonderen richtet.
Langfristiges Ziel ist eine Museumssammlung und eine Präsentation im Neubau, die mit qualitativ hochrangigen, charakteristischen und damit zugleich auch werbewirksamen Werken, Werkgruppen und Spezialthemen sich vom Einerlei deutscher Museen unterscheidet und dadurch klare Akzente setzt, für den Kenner attraktiv ist, aber auch kulturpädagogisch wirkt und museumsmüde Besucher durch erfrischende Andersartigkeit motiviert.
Die Kriterien für alle Neuerwerbungen sind zum einen der Sammlungsaufbau in Schwerpunkten mit Künstlern, die einen Bezug zu Süddeutschland haben (z.B. Dix, Hölzel, Roth, Laib, Kosuth, Antes usw.) statt enzyklopädischer Breite, und außerdem die klare Bevorzugung weniger Spitzenwerke statt vieler Werke durchschnittlicher Bedeutung. Dem zugrunde liegt der Gedanke, daß nur einzigartige und spezialisierte Sammlungen dauerhaft Interesse auf sich ziehen. Dementsprechend ist die Stadtverwaltung im Gespräch mit geeigneten Sammlern, um die Sammlung zu komplementieren.
Dieses Sammlungsprofil muß im Rahmen eines gegenwärtig weltweiten Diskurses gesehen werden, der die regionalen Kunstlandschaften angesichts der globalen kulturellen Vereinheitlichung verblassen sieht, anderseits aber auch der Unverwechselbarkeit des Regionalen auf diesem Hintergrund einen neuen Wert zumißt. Die Galerie der Stadt Stuttgart ist mit dieser Sammlungskonzeption auf einem guten und interessanten Weg.
Dr. Wolfgang Schuster