| Stellungnahme zum Antrag | 233/2009 |
Stadträtinnen/Stadträte - Fraktionen
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Datum
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Betreff
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Das private Buchbinder-Colleg, gegründet im Jahre 1991, ist die einzige auf die handwerkliche Buchbinderei und die ihr verwandten Gebiete ausgerichtete Weiterbildungseinrichtung in Deutschland und stellt für die Stadt Stuttgart als Buch- und Verlagsstadt eine wichtige Einrichtung dar. Es bietet ein Angebot der überbetrieblichen Ausbildung sowie der Weiterbildung für Gesellen und Meister. Das Buchbinder-Colleg ist für das deutsche Buchbinderhandwerk eine sehr wichtige überregionale Einrichtung, es steht für wegweisende und innovative Entwicklungen in diesem Handwerkszweig.
Vertreter des Buchbinder-Collegs haben sich im Dezember 2008 an Frau BM’in Dr. Eisenmann gewandt und um Unterstützung gebeten. Das Colleg befand sich in einer Phase der Neuausrichtung, sowohl inhaltlicher als auch finanzieller Art. Dies konnte jedoch nicht allein aus eigener Kraft bewältigt werden, die Mithilfe anderer Stellen war notwendig.
In der Gründungsphase wurde die Einrichtung durch ein großes Konsortium und großes Engagement der einheimischen Wirtschaft finanziell unterstützt. Ein eigenes Gebäude in Stuttgart-Bad Cannstatt wurde erworben und der Betrieb aufgenommen. In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Situation des Collegs, bedingt durch die Krise im Handwerk. Sponsoren und Geldgeber fehlten. Dies führte dazu, dass das Gebäude verkauft und in Teilen rückgemietet sowie der Betrieb verschlankt werden musste. Personal wurde abgebaut, der Umfang des Bildungsangebots reduzierte sich auf die traditionellen Fortbildungsbereiche.
Mit diesen Maßnahmen verringerten sich aber auch die Einnahmen. Im Jahre 2006 gab es einen Neuanfang, erste Erfolge konnten erzielt werden, Ende 2008/ Anfang 2009 wurde mit viel Elan eine Neuausrichtung und Neuorientierung des Buchbinder-Collegs angestrebt. Eine Werbeoffensive sollte gestartet werden, um den Bildungsmarkt breiter zu aktivieren. Das Bildungsangebot sollte noch mehr differenziert, neue innovative Angebote entwickelt werden. Ziel war die Erhöhung der Teilnehmerzahlen und der Einnahmen.
All dies war jedoch mit dem vorhandenen reduzierten Personalbestand nicht leistbar. Das Colleg benötigte finanzielle Unterstützung, um Personal einstellen zu können.
In einem gemeinsamen Gespräch mit Frau BM’in Dr. Eisenmann wurden die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung erörtert. Als in dieser Situation hilfreich angesehen wurden sowohl einmalige wie auch laufende Zuschussmöglichkeiten.
Eine Bezuschussung aus Mitteln des Schulhaushalts ist nicht möglich, da das Schulverwaltungsamt direkte Zuschüsse zu den laufenden Betriebskosten von Privatschulen nur an private allgemeinbildende Schulen und private Sonderschulen gewährt. Ein Präzendenzfall für den Bereich der beruflichen Bildung sollte hier nicht geschaffen werden.
Daher wurde beschlossen, Anfragen an externe Stellen zu starten, um evtl. Gelder zu aquirieren. Diese Anfragen gingen an
· den Vorsitzenden des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg e.V., Herrn Dr. Konrad Martin Wittwer
· an die Ernst-Klett-AG
· an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH
· an das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Die Rückmeldungen waren leider negativ.
Auch aus Sicht des Kulturamts sind keine institutionellen Fördermöglichkeiten vorhanden.
Haushaltsreste 2008 stehen nicht zur Verfügung. Nach den gemeindewirtschaftsrechtlichen Bestimmungen können Ausgabeansätze in die Folgejahre übertragen werden, soweit gesetzliche, vertragliche oder wirtschaftliche Gründe vorliegen oder sie für ihren Zweck weiterhin benötigt werden. Diese Voraussetzungen liegen im vorliegenden Fall nicht vor.
Fazit
Der weitere Bestand des Collegs ist gefährdet, sollte sich nicht dennoch ein Geldgeber auftun. Mit der Schließung gingen ein Stück Kultur und Handwerkstradition in Stuttgart verloren.
Gez.
Dr. Susanne Eisenmann
2. Über
zur Zeichnung
Anl.: 1 Reinschrift