Landeshauptstadt Stuttgart Stuttgart, 10/13/2003
Der Oberbürgermeister
GZ: OB 8801-02
Beantwortung zur Anfrage
Stadträtinnen/Stadträte - Fraktionen
Dr. Löffler Reinhard (CDU), Barg Stefan (CDU), Jäger Sonja (CDU), Schmid Roland (CDU), Zaiß Manfred (CDU)
Datum
09/03/2003
Betreff
Obstbauberater der Landeshauptstadt
Anlagen
Text der Anfrage
Beantwortung/ Stellungnahme:
Seite 1
Text der Anfrage
1 Leistungen des Obstbauberaters
Die Obstbauberatung erbringt Leistungen für “Hobbygärtner” , deren Vereine und die Allgemeinheit (ca. 70 % der Gesamtleistungen) sowie für den Erwerbsobstbau (ca. 30 % ).
1.1. Hobbygärtner und Vereine, Allgemeinheit
Betreut werden 27 Obst- und Gartenbauvereine mit rd. 4.800 Mitglieder sowie 40 Siedler- und Kleingärtnervereine mit rd. 6.200 Mitglieder und einer Gesamtfläche an Gartenland von ca. 2.100 ha
- Obst-Kurzlehrgänge, Veredelungskurse, Sommerschnittkurse für
Jedermann
- Spezielle Schnittkurse an Hochstämmen (Streuobstwiesen) in Zusam-
menarbeit mit dem Förderverein “Stuttgarter Apfelsaft”
- Spezielle Schulung der Fachwarte und Fachberater der Obst- und
Gartenbauvereine
- In 2004 umfassende Fachwartausbildung mit 180 Stunden Theorie und
Praxis (wird alle 3 Jahre angeboten)
- Sonstige Fachvorträge bei den Obst- und Gartenbauvereinen
- Mitwirkung im Kreisvorstand der Obst- und Gartenbauvereine und im
Beirat des Bezirksverbands der Siedler, Eigenheimer und Kleingärtner
- Mitwirkung bei der Öffentlichkeitsarbeit für diese Vereine (zB beim
Landwirtschaftlichen Hauptfest, auf Messen)
- Fachbeiträge in Veröffentlichungen der Vereine
- Beantwortung telefonischer, schriftlicher und persönlicher Anfragen aus
der Bürgerschaft
- Beantwortung von Anfragen der Medien
- Mitarbeit in der städtischen Arbeitsgruppe “Landwirtschaftskonzept”
(vgl. Antrag Nr. 177/2002 von Bündnis 90/DIE GRÜNEN)
- Mitwirkung bei städtischen Planungen und Aktivitäten (z.B. Biotop-
verbundplanung, Umwelttag, Obstbautag)
1.2. Erwerbsobstbau
Betreut werden insbesondere die 95 Mitglieder des Obstbaurings Stutt-gart. Mittlerweilen liegen Beratungs-Anfragen von Obstbaubetrieben aus den benachbarten Landkreisen vor.
- Einzelberatung insbesondere zu den Themen Betriebswirtschaft,
Betriebsstruktur und Produktionstechnik (Anbauplanung, Sorten,
Pflanzenschutz und Düngung, Maschinen- und Betriebsmitteleinsatz),
Lagerung, Aufbereitung und Weiterverarbeitung der Produkte sowie
Vermarktung und Marketing
- Allgemeine Beratung durch Herausgabe von 12 Rundschreiben jährlich
- Geschäftsführung für den Obstbauring Stuttgart
- Öffentlichkeitsarbeit für den Obstbauring
2 Bedeutung der Beratung, negative Auswirkungen bei Wegfall der Beratungsleistung
Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Obstbauberatung kommt dem Personenkreis zu Gute, der einen Garten nicht aus Rentabilitätsgründen bewirtschaftet, son-dern durch sein “Hobby” einen wertvollen, unentgeltlichen und wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege und zur Ökologie leistet. Mit der Obstbauberatung unter-stützt die Stadt das ehrenamtliche Engagement in den Obst-, Gartenbau- und Kleingärtnervereinen.
Ohne fachlich kompetente Ansprechpartner für die Vereine und Verbände der Hobbygärtner sowie für die Allgemeinheit wären die Auswirkungen bei der Erhaltung der Kulturlandschaft umgehend bemerkbar. Fehlende Schnittunter-weisungen und Anleitungen zur Pflege der landschaftsprägenden und ökolo-gisch wertvollen Streuobstwiesen führen zu einem schleichenden Baumverfall. Wichtiges Ziel der Beratung ist auch, dass die Gartenbesitzer einen ange-messenen Obstertrag erzielen (idR für den Eigenverbrauch), damit sie auf Dauer bereit sind, die Obstkulturen zu erhalten. Eine weitere Verödung der Landschaft mit entsprechenden ökologischen Nachteilen wäre sonst die Folge. Es gilt, durch gezielte Veranstaltungen auch der jüngeren Generation den Wert solcher (Streu-) Obstbestände zu vermitteln und deren Interesse am Erhalt dieser Flächen als Ausgleichs- und Erholungsraum zu wecken.
Die Obstbauberatung hat durch die vielen “Kunden” eine große Breitenwirkung für den praktizierten Umweltschutz bei vergleichsweise geringem Aufwand. Die gezielte Beratung der Hobbygärtner macht den Einsatz von Pestiziden im Haus- und Kleingartenbereich weitgehend überflüssig. Auch bei der Beratung des Er-werbsobstbaus legt die Obstbauberatung auf eine umweltschonende Dünge- und Pflanzenschutzpraxis Wert. Ohne die neutrale Beratung ist dies nicht ge-währleistet. Der Wegfall der Obstbauberatung hätte also auch negative Aus-wirkungen auf die ökologische Landwirtschaft und den Umweltschutz im Allge-meinen in Stuttgart.
Bei einem Wegfall der Obstbauberatung wird eine nicht zu schließende Lücke entstehen. Die Beratungsleistung kann auch nicht einfach von anderen städtischen Dienststellen übernommen werden, da diese den notwendigen Sachverstand erst aufbauen müssten; dann ist es sinnvoller, die Obstbau-beratung in ihrer jetzigen Organisationsform zu belassen. Es gibt in Stuttgart keine privaten Anbieter für diese Beratungsleistungen und auch das Internet (z.B. das “Obst- und Weinbauforum” der LVWO Weinsberg) bietet nur sehr begrenzte Alternativen.
3 Einnahmen; Anhebung der Gebühren für kommerzielle Anbieter
Entgelte wurden 1994 eingeführt und werden für folgende Leistungen der Obstbauberatung erhoben:
Erwerbsobstbau
- Betriebsberatungen
- Führungen auswärtiger Gruppen in Beispielsbetrieben
- Jahrespauschale des Obstbaurings (15% der Mitgliedsbeiträge) für die Tätig-
keit des Obstbauberaters in der Geschäftsführung und Öffentlichkeitsarbeit
Hobbygärtner, Vereine
- Kurse, Lehrgänge, Schulungen und Vorträge
- Spezialberatung für einzelne Obstgärten (Privatberatung)
- Führung von Vereinen in Beispielbetrieben
Anfragen aus der Bürgerschaft werden kostenlos beantwortet. Ebenso werden Leistungen für andere städtische Dienststellen nicht verrechnet.
Die Entgelte sind seit 1995 unverändert. Bei den Gebühren für den Erwerbs-obstbau liegt Stuttgart bereits auf europäischem Niveau; eine weitere Erhöhung dürfte, auch Angesichts der rückläufigen Einkommen in der Landwirtschaft, kontraproduktiv sein.
Die Einnahmen der Obstbauberatung betragen
2000 20.000 Euro
2001 14.800 Euro
2002 4.200 Euro
2003 (geschätzt) 16.000 Euro
Zu berücksichtigen ist, dass die Obstbauberatung von Juli bis November 2002 nicht besetzt war und der neue Obstbauberater sich zunächst bei den Betriebs-inhabern und den Vereinen bekanntmachen musste.