Dürfen Park und Villa Berg wieder exklusiv werden?
Der Streit um die Baupläne des Investors Rudi Häussler für die Villa Berg und im Park der Villa ist eine Auseinandersetzung darum, in welchem Interesse die Stadtplanung in Stuttgart handelt. Er zeigt auch exemplarisch, wie die Grünen politisch lavieren. Eine der schönsten Parkanlagen Stuttgarts darf nicht wieder „exklusiv“ werden, sondern muss wieder für alle Einwohnerinnen und Einwohner da sein.

Die Villa Berg wurde 1845 bis 1853 von Architekt Christian Friedrich Leins als Sommersitz des württembergischen Königshauses erbaut. Sie kam 1913 in den Besitz der Stadt Stuttgart und wurde damit der Öffentlichkeit zugänglich. Es gab Empfänge und Konzerte und eine Terrassenwirtschaft. 1925 eröffnete die Stadt eine Gemäldesammlung. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa durch Bomben stark zerstört. 1950 tauschte die Stadt mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR, heute SWR): dieser bekam die Villa und die unmittelbar umliegenden Parkfläche, die Stadt bekam die Silberburganlagen mit der Karlshöhe. Der SWR richtete in der Villa den Großen Sendesaal ein für die Direktübertragung und Aufzeichnung von Konzerten. Dieser Saal steht heute unter Denkmalschutz. In direkter Nähe baute dann der SDR zusätzlich Sendeanlagen, Studios und Büros in den Park. Seit Jahren hat der SWR wenig zur Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes getan. So liegen die Wasserspiele vor der Terrasse seit Jahren still und verrotten; der Rosengarten mit vielen alten Rosensorten fristet ein Schattendasein.
Auch der weitläufige Park um die Villa herum steht unter Denkmalschutz. Er wurde nach 1913 ebenfalls für die Bevölkerung geöffnet und ist für die Bewohner des Stuttgarter Ostens eine wichtige Erholungsfläche und grüne Oase in der Großstadt.
2007 kaufte der Stuttgarter Investor Rudi Häussler die Villa und die SWR-Sendegebäude zum symbolischen Preis von einem Euro. Der SWR war damit die Denkmalkosten los. Der Investor versprach ein Kunst- und Kulturzentrum für öffentliche und private Veranstaltungen – Theater, Ballett und Konzerte, die in Kooperation mit dem SWR stattfinden sollten. Zusammen mit der Stadt sollte auch der Park restauriert werden. Von all den schönen Versprechungen ist aber nichts mehr geblieben.
Nun plant Häussler in der Villa ein 5- oder gar 6-Sterne-Luxushotel mit Sternerestaurant. Die Sendegebäude des SWR will er abreißen und hier in der Mitte des Parks exklusive Wohnungen bauen lassen. Zeitweise war sogar von einer „Gated Community“ – einem für die Öffentlichkeit geschlossenen Wohngebiet die Rede. Die Villa und der zentrale Teil des Parks würden damit wieder exklusiv im eigentlichen Sinne, die Öffentlichkeit würde ausgeschlossen wie zu Königs Zeiten. Um seine Ziele durchzusetzen, scheut Häussler nicht vor erpresserischen Äußerungen zurück: Die Genehmigung für seine Wohnungsbaupläne seien die Vorbedingung für den Umbau und die Erhaltung der Villa. Es könnten sich sonst Vandalismus, Gesindel und Drogenkonsum ausbreiten. Aber auch für Häussler gilt: Eigentum verpflichtet. Die Stadt darf sich nicht er Nun plant Häussler in der Villa ein 5- oder gar 6-Sterne-Luxushotel mit Sternerestaurant. Die Sendegebäude des SWR will er abreißen und hier in der Mitte des Parks exklusive Wohnungen bauen lassen. Zeitweise war sogar von einer „Gated Community“ – einem für die Öffentlichkeit geschlossenen Wohngebiet die Rede. Die Villa und der zentrale Teil des Parks würden damit wieder exklusiv im eigentlichen Sinne, die Öffentlichkeit würde ausgeschlossen wie zu Königs Zeiten. Um seine Ziele durchzusetzen, scheut Häussler nicht vor erpresserischen Äußerungen zurück: Die Genehmigung für seine Wohnungsbaupläne seien die Vorbedingung für den Umbau und die Erhaltung der Villa. Es könnten sich sonst Vandalismus, Gesindel und Drogenkonsum ausbreiten. Aber auch für Häussler gilt: Eigentum verpflichtet. Die Stadt darf sich nicht erpressen lassen.
Die Gefahr ist groß
Vor der Kommunalwahl hatten sich die Grünen und die SPD gegen die Häussler-Pläne ausgesprochen. Nun fangen die Grünen an zu lavieren. Sie stellten noch im Februar einen Antrag und verlangten, dass die Stadtverwaltung im Umwelt- und Technikausschuss ihre „Planungen zur vollständigen Wiederherstellung des historischen Parks der Villa Berg präsentiert“. Inzwischen verhandeln sie mit Häussler über seine Baupläne. Jetzt soll Häussler vorstellen bzw. präsentieren, was und wie er bauen will. Die Grünen haben die Losung „Lust auf Stadt“ und sagen: „Wohnen in der Stadt: Luft reinlassen, Grünflächen erhalten.“ Aber dann im Berger Park bauen lassen, und speziell für Betuchte? Da ist die grüne Seele gespalten. Außerdem: Die Grünen suchen auch Verbindungspunkte zu den Konservativen und zum Eigentum.
Die SPD hält daran fest, dass die Villa und der Park zu den wertvollen Kulturgütern der Stadt gehören und wenigstens der Park komplett der Öffentlichkeit und vor allem der Bevölkerung im Stuttgarter Osten zurückgegeben werden muss.
Sicher muss sich eine Stadt verändern. Sie muss sich mit den Lebensverhältnissen entwickeln und sich Bedürfnissen der jeweiligen Bewohner anpassen. Zugleich darf aber eine Stadt nicht geschichtsvergessen sein, und sie muss die historischen Schätze im Sinne der Bevölkerung erhalten und zugänglich machen. Ulrike Küstler, Kommunale Berichte 4/2010