Villa Gemmingen
Jahrzehntelang hat die Stadt die Villa besessen, an Behörden vermietet, nicht sonderlich gut gepflegt und keine Idee entwickelt, wie das Anwesen nach Ablauf der Vermietung ans Landesdenkmalamt wirtschaftlich eigengenutzt werden könnte.
Das Angebot der Familie von Tessin, das Anwesen zu kaufen, zu restaurieren, der Öffentlichkeit durch Gastronomie und kulturelle Veranstaltungen zugänglich zumachen und der Stadt vertraglich 12 Nutzungen pro Jahr zu gewähren, schien uns ein gutes Angebot von seriöser Seite zu sein. Was man nicht von allen Villenkäufern sagen kann. Zumal die Stadt ein Rückkaufsrecht bei Veräußerung hat.
Denn auch bei städtischen Identifikationspunkten, wie es die Villa Gemmingen für den Stuttgarter Süden natürlich ist, ist die angemessene Nutzung allemal wichtiger als die Form des Besitzes. Das vergessen gerade schwäbische Häuslesbesitzer gern. Und manche Gegner des Verkaufs taten wirklich so, als wolle man das prächtige Gesamkunstwerk nach dem Verkauf abbrechen.
Mit dem Verkauf der Villa Gemmingen wollten wir allerdings den Nichtverkauf der gegenüberliegenden städtischen Villa Mörikestr.7 und 9 und deren musealen Nutzung vebinden. Was leider keine Mehrheit fand. Aber vor der Zustimmung zum Verkauf sagte der Oberbürgermeister uns und dem Wirtschaftsausschuß zu, Infrastrukturmaßnahmen für das benachbarte Lapidarium durchzuführen und dessen Betrieb personell zu verstärken. Genau das haben wir schon lange vergeblich gefordert und werden es nun, Gemmingen sei Dank, bekommen.
Michael Kienzle